15.09.2019

»GUGL« geht in die zweite Runde

Bürger und FH-Studierende entwickeln ab Herbst 2019 konkrete Projekte / Ergebnisse der Befragung vorgestellt

Waren die ersten, die einen Blick in den Ergebnisbericht der »GUGL«-Befragung und der Bürgerwerkstätten warfen (v.l.): Angelika Reimers (Seniorenbüro), Netzwerkkoordinator Markus Giesbers, Geschäftsführer Dr. Ansgar Klemann und Prof. Mirko Sporket (FH Münster).

Das »GUGL«-Projekt der „Heinrich und Rita Laumann-Stiftung“ geht in die nächste Runde. Die Ergebnisse der repräsentativen Befragung und der Bürgerwerkstätten bilden die Grundlage für konkrete (kleinere) Bürgerprojekte, deren Entwicklung und Umsetzung ab Herbst 2019 über zwei Semester von 20 Studierenden der Fachhochschule Münster begleitet werden. Der Projektname ist dabei Programm: „Gut und gemeinsam leben in Sendenhorst – in jedem Alter!“

Im September stellte Prof. Mirko Sporket die Ergebnisse der Befragung und der Bürgerwerkstätten vor und gab einen Ausblick für die Praxisphase des Projekts. Grundsätzlich stellte er fest: „Die überwiegende Mehrheit der Sendenhorster und Albersloher fühlt sich in ihrer Stadt wohl und lebt gerne hier. Es gibt eine starke Verbundenheit zum Wohnort, die sich in hohem bürgerschaftlichen Engagement zeigt und ein großes Potenzial bietet, um gemeinsam mit den Bürgern Entwicklungs- und Veränderungsprozesse in Gang zu bringen.“
Im Einzelnen die Ergebnisse, aus denen sich konkrete Projekte unter Beteiligung der Bürger und Studierenden ableiten lassen:

Wohnen und Pflege
Die Wohnsituation der älteren Bürgerinnen und Bürger bewegt sich im Spannungsfeld der emotionalen Bindung an das eigene Haus oder die Wohnung und der zunehmenden Belastung der Instandhaltung. Die meisten Sendenhorster wollen in ihren eigenen vier Wänden wohnen bleiben, gefolgt von Konzepten wie Betreutes Wohnen oder eine Wohngemeinschaft mit Freunden. Erst an letzter Stelle wird der Umzug in eine stationäre Pflegeeinrichtung genannt. Zu Wohnformen im Alter wie z.B. Mehrgenerationenwohnen, Alten-WGs oder Demenz-WGs, oder auch zu technischen Hilfen wie ambient assisted living (smart home) besteht ein sehr großer Informationsbedarf, dem mit Infoabenden begegnet werden könnte. Ganz konkret äußerten Bürger auch das Fehlen von bezahlbaren barrierefreien Wohnmöglichkeiten in Sendenhorst. Der altengerechte Umbau der eigenen Wohnung, aber auch die Vernetzung von professioneller Pflege mit ehrenamtlichem, familiären und nachbarschaftlichen Engagement bieten Ansatzpunkte für eine Verbesserung der Situation von älteren Menschen und ihren pflegenden Angehörigen.

Freiwilliges Engagement und Ehrenamt
Ein Drittel der Bürgerinnen und Bürger engagiert sich ehrenamtlich, und ein weiteres Drittel könnte sich ein Engagement vorstellen. Aber: Es fehlt an Information und Koordination. Abhilfe schaffen könnten hier eine Ehrenamtsbörse als digitale Plattform und/oder konkrete Anlaufstelle.

Kontakt und Austausch fördern
Die überwiegende Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger in Sendenhorst und Albersloh fühlt sich sozial gut integriert. Gerne mehr Kontakt zu Menschen an ihrem Wohnort wünschen sich insbesondere ältere und neu zugezogene Bürger. Konkrete Vorschläge sind etwa ein Neubürgerfest, Hausbesuche, Stadtführungen für Zugezogene, Stadt- und Nachbarschaftsfeste oder auch Patenprogramme, die auf ehrenamtlicher Basis insbesondere Menschen mit erhöhtem Einsamkeitsrisiko besuchen oder sie zu Veranstaltungen und Festen begleiten.

Freizeit gestalten
Gute Noten erhält das Freizeitangebot in Sendenhorst und Albersloh, insbesondere im Bereich Sport. Offenbar gibt es aber Optimierungsbedarf, sich über die bestehenden Angebote umfassend zu informieren. Auf einer digitalen Plattform könnte die Vielfalt dargestellt und vor allem auch zielgruppenspezifisch abgerufen werden. Darüber hinaus wird noch Bedarf etwa bei Angeboten für Familien mit Kindern und für ältere Menschen gesehen.

Mobilität in der Stadt
Die Lösung der überörtlichen Verkehrsprobleme (Stichwort Ortsumgehung, ÖPNV) sprengen den Rahmen des »GUGL«-Projekts. Gleichwohl wird aus der Befragung ersichtlich, dass sich die Bürger wünschen, dass Fußgängern und Radfahrern mehr Raum für eine sichere Mobilität eingeräumt wird. Vorhandene Alternativrouten abseits der stark befahrenen Hauptstraßen könnten in entsprechenden Karten publiziert werden. Verbesserungen für Fußgänger mit Kinderwagen oder Rollator seien auch durch ebenen Untergrund sowie abgesenkte Bordsteine erreichbar.

Ausblick
In nahezu allen Themenbereichen zeichnet sich ein großes Bedürfnis nach einem einfachen Zugang zu aktuellen und zielgruppenspezifischen Informationen ab. Möglicherweise lassen sich Informationen der verschiedenen Bereiche auf einer Art „digitalem Dorfplatz“ zusammenführen.
Darüber hinaus legten die Befragung und die Bürgerwerkstätten die Notwendigkeit langfristiger Entwicklungsprojekte offen, die von anderen Akteuren vorangebracht werden müssten. So etwa die Umsetzung von alternativen Wohnprojekten im Alter, die Lösung übergeordneter Verkehrsproblematiken (z.B. Ortsumgehung, Lkw-Durchgangsverkehr, Verbesserung des ÖPNV, WLE) oder auch die Sicherung der haus- und fachärztlichen Versorgung.

2.298 Antwortbögen
Ende Januar 2019 wurden insgesamt 6.300 Haushalte von der Stadt Sendenhorst angeschrieben. Bis Ende Februar kamen 2.298 beantwortete Fragebögen ausgefüllt zurück, so dass die Ergebnisse als repräsentativ gelten. Zusätzlich gab es noch eine Kinder- und eine Jugendbefragung, die als Online-Befragungen durchgeführt wurden.

Ergebnisse »GUGL«-Bürgerbefragung (PDF)

Zurück