23.04.2020

Menschen und Generationen verbinden

„Gut und gemeinsam leben“: Projekte zu den Themen Einsamkeit, Ehrenamt, Neubürgerintegration und Jung-und-Alt

Vor großem Publikum stellten die vier Studierendengruppen im Januar ihre »GUGL«-Projekte vor, mit denen sie zum „guten und gemeinsamen Leben“ in Sendenhorst und zwischen den Generationen beitragen wollen.

Jetzt wird es konkret: In der »GUGL«-Projektphase von „Gut und gemeinsam leben in Sendenhorst – in jedem Alter“ haben die Studierenden der Fachhochschule Münster (Fachbereich Sozialwesen) vier Projekte erarbeitet, die sie konkret umsetzen wollen. Die jungen Leute knüpfen dabei an die Ergebnisse der Bürgerbefragung 2019 an: Insgesamt sind die Sendenhorster und Albersloher zufrieden mit dem Leben in ihrer Stadt, aber das Thema Einsamkeit und Kontakteknüpfen treibt vor allem ältere und neu zugezogene Bürgerinnen und Bürger um. Die Studierenden stellten ihre vier Projekte Ende Januar 2020 der Öffentlichkeit vor.

Projekt: „Dein Anschluss unter dieser Nummer“
Die Studierenden präsentierten ihrer Projekte.

Menschen, die einsam oder von Einsamkeit bedroht sind, haben künftig eine Telefonnummer, unter der sie einen Gesprächspartner und Zuhörer erreichen. ähnlich dem „Silbernetz-Telefon“ in Berlin können ältere einsame Menschen zu bestimmten Zeiten anrufen. Am anderen Ende der Leitung ist jemand, der den Anrufer zwar nicht kennt, aber für solche Gespräche geschult ist. Dann wird geredet, vielleicht über einen verstorbenen Partner oder auch über das Wetter oder Fußball. Zum Schluss des Gesprächs wird es dem Anrufer vielleicht besser gehen. Vielleicht ruft er ein anderes Mal erneut an oder ihm hilft der Hinweis auf Angebote in Sendenhorst und Albersloh, um Kontakte am Wohnort zu knüpfen oder bei Bedarf Hilfe zu bekommen.

„Dein Anschluss unter dieser Nummer“ heißt das Projekt. „Wir wollen der Einsamkeit im Alter begegnen“, sagte Samuel Schlesinger im Namen der vierköpfigen Studentengruppe. Da „Mobilität für ältere einer der Knackpunkte“ sei, müssten auf anderem Wege neue Verbindungen geschaffen werden, machte Professor Dr. Mirko Sporket deutlich. Zudem sei es wichtig, so die Studenten, mit einer Informationskampagne die öffentlichkeit für das Thema Einsamkeit zu sensibilisieren. Zu diesem ambitionierten Projekt gehört auch die Schulung von ehrenamtlichen Mitarbeitern, damit sie auch mit schwierigen Gesprächssituationen umgehen können. Das „Sorgentelefon“ für einsame ältere ist aber ausdrücklich keine „Telefonseelsorge“.

Ehrenamt-Projekt „Zeitgeschenke“

Ein zentraler Punkt ist die Stärkung des Ehrenamtes, das heute für viele keine Lebensaufgabe mehr sei, sondern eher ein zeitlich befristetes und freiwilliges Engagement. Somit haben die Studierenden ganz bewusst den Namen „Zeitgeschenk“ gewählt. Viele Sendenhorster und Albersloher engagieren sich bereits ehrenamtlich und wollen das laut Umfrage auch künftig tun. Es fehle aber an Information und Koordination. Auch deshalb hat die Stadt die Stelle eines hauptamtlichen Ehrenamtskoordinators ausgeschrieben, und es gebe viele Bewerbungen für den Job, erklärte Bürgermeister Berthold Streffing bei der Präsentation.

Die Studentinnen, die sich dem „Zeitgeschenke“-Projekt widmen, wollen unter anderem das Ehrenamt stärker in den Blick der öffentlichkeit rücken. Dazu werden sie gemeinsam mit den Westfälischen Nachrichten eine Serie erarbeiten, in der Ehrenamtliche vorgestellt werden. Sie hoffen, dass dabei möglichst viele mitmachen und über ihr Engagement berichten – damit andere es ihnen nachmachen. Ehrenamt sei wichtig als Nachschub und Treibstoff für die örtlichen Vereine.

Daneben wollen die Studenten einen „Runden Tisch“ einrichten, an dem sich Vertreter der ehrenamtlich Engagierten austauschen, sich vernetzen und neue Ideen entwickeln. Die Moderation wird der neue Ehrenamtskoordinator der Stadt übernehmen.

Projekt „YounGold – Wissen weitergeben“
Rita Laumann (rechts) hatte bei der Präsentation sehr viel Freude an dem, was die Studenten erarbeitet haben.

Auch bei den Jugendlichen gibt es – laut Bürgerbefragung – ein großes Potenzial für Engagement. Jugendliche würden zudem gerne mehr mitbestimmen. Beide Aspekte werden in dem Projekt YounGold vereint, das über Wissensweitergabe und gemeinsame Aktivitäten den Austausch zwischen den Generationen fördern will. Jugendliche im Alter von 13 bis 15 Jahren können sich dafür kleine Projekte überlegen, mit denen sie älteren an vier bis fünf Terminen einen Einblick in ihre Lebenswelt geben. Was gemacht werden soll, entscheiden die jungen Menschen, die älteren sind zum Mitmachen eingeladen. Vorstellbar seien Themen wie zum Beispiel Kochen, Spielen, Kurzfilme drehen, Graffitis erstellen oder ähnliches. Dieses Projekt wird in Kooperation mit den Jugendtreffs und der Realschule St. Martin umgesetzt.

Projekt Neubürger*innenfest
Eine weitere Gruppe der Studierenden organisiert ein „Neubürgerfest“, zu dem alle Sendenhorster und Albersloher eingeladen sind. Der geplante Termin am 29. Mai wird coronabedingt nicht zu halten sein. Zielgruppe sind alle (Neu-)Bürgerinnen und Bürger, Familien und Einzelpersonen, die in den vergangenen zwei bis fünf Jahren nach Sendenhorst und Albersloh gezogen sind; aber auch die „Alteingesessenen“, die ihre neuen Nachbarn über ihren Ort informieren oder für das Mitmachen in einem der Vereine oder Institutionen begeistern möchten. „Es geht uns um die Integration der Neubürger und darum, Sendenhorst als Gemeinschaft zu stärken“, erklärten die Studentinnen. Ideen für ein Programm stehen bereits. Die Umsetzung erfolgt in Kooperation mit der Stadt, den örtlichen Vereinen und Institutionen.

Die Umsetzung der vier Projekte erfolgt mit Unterstützung der „Heinrich und Rita Laumann-Stiftung“ sowie in Kooperation mit der Stadt Sendenhorst. Die Anleitung der Studierenden liegt in Händen von Prof. Dr. Mirko Sporket (FH Münster, sporket@fh-muenster.de) und Markus Giesbers (St. Elisabeth-Stift gGmbH, giesbers@ st-elisabeth-stift.de).

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